Das "zurückgebliebene" Masuren
Der weite Nordosten

Masuren

In Max Töppens 1870 publizierter Geschichte Masurens lesen wir, dass sich dieses Gebiet "auf der Grenze deutschen und slawischen Volkslebens ausbreitet. Früh unter deutsche Herrschaft gestellt und früh von Polen bevölkert, weist es in seiner ganzen Geschichte den Gegensatz und die Versöhnung beider Nationalitäten aus." Aber durch die isolierte Lage, meinte der Autor, geriet die Region ins zivilisatorische Abseits: "In vielem Betracht ist daher die Kultur Masurens hinter der Kultur glücklicher gelegener Landstriche zurückgeblieben…" Oder wie es - reichlich arrogant - die ostpreußischen Junker ausdrückten: "Wo sich aufhört der Kultur, da beginnt sich der Masur."
Freilich, ein hochkarätiges Kunst- und Kulturzentrum war Masuren tatsächlich nie. Wald und Wasser bestimm(t)en diese von der Eiszeit geprägte flachhügelige Moränenlandschaft. Der moderne Barde dieser Gegend, Siegfried Lenz, formuliert das im Nachwort zu seinen 20 masurischen Geschichten - So zärtlich war Suleyken folgendermaßen: "Im Süden Ostpreußens, zwischen Torfmooren und sandiger Öde, zwischen verborgenen Seen und Kieferwälder waren wir Masuren zu Hause - eine Mischung aus pruzzischen Elementen und polnischen, aus brandenburgischen, salzburgischen und russischen. Meine Heimat lag sozusagen im Rücken der Geschichte; sie hat keine berühmten Physiker hervorgebracht, keine Rollschuhmeister oder Präsidenten; was hier vielmehr gefunden wurde, war das unscheinbare Gold der menschlichen Gesellschaft: Holzarbeiter und Bauern, Fischer, Deputatarbeiter, kleine Handwerker und Besenbinder. Gleichgültig und geduldig lebten sie ihre Tage und wenn sie bei uns miteinander sprachen, so erzählten sie von uralten Neuigkeiten, von der Schafschur und vom Torfstechen, vom Vollmond und seinem Einfluss auf neue Kartoffeln, vom Borkenkäfer oder von der Liebe..."
Masuren
Reszel / Rössel
Unser erstes Ziel, Reszel/ Rössel, rund 50 Kilometer östlich von Lidzbark/ Heilsberg, kann als äußerster ermländischer Vorposten gesehen werden. Dort entstand im 14. Jahrhundert an der Stelle einer hölzernen Befestigung die backsteingotische Bischofsburg. Nach einem wechselvollen Schicksal wird sie heute für Ausstellungen genutzt
Schon außerhalb des einstigen Fürstbistums, aber nur ein halbes Dutzend Kilometer von Rezel entfernt, liegt der bedeutendste Wallfahrtsort der Ermländer, das Heiligtum der Maria auf dem Lindenstumpf, Linda Mariana, ¦wiêta Lipka/ Heiligelinde. Das schmiedeeiserne Grüne Tor der Rösseler Brüder Schwarz am Hofeingang symbolisiert die heilige Linde, die im vergoldeten Stammbaum Christi mündet. Darüber Steinfiguren eines Englischen Grußes (Erzengel Gabriel verkündet der Jungfrau ihre Gottesmutterschaft) und zwischen ihnen das bereits geborene und auch schon das Kreuz in den Händen haltende Jesuskind im Strahlenkranz. Mit "Gott erhalte das Werk bis zum Jüngsten Tag" quittierte Baumeister Ertly aus Wilna (im nach 1945 an die Sowjetunion verlorenen Litauen) die Bezahlung der von ihm errichteten barocken Basilika samt Jesuitenkloster. Die Altäre schufen Königsberger Künstler, das hoch verehrte Marienbild stammt von Martino Altomonte; die Ausmalung ist eine Arbeit des Heilsbergers Meyer. Während die Gläubigen zur als wundertätig geltenden Silbernen Madonna pilgern, begeistern sich Musikfreunde am Klang der Orgel.

Pa³ac w £ê¿anach k/Reszla / Pa³ac in £ê¿anach, in der Nähe von Rössel
¦wiêta Lipka
¦wiêta Lipka
 
nach oben
Kêtrzyn/ Rastenburg
Kêtrzyn/ Rastenburg weiter östlich verrät im deutschen Ortsnamen, dass es aus einer Ordensburg hervorging, die ebenso wie die Pfarrkirche Sankt Georg zu den Sehenswürdigkeiten des Städtchen zählt. Von da aus machen wir einen Abstecher nach Gier³o¿, wo sich im Schutz von dichten Wäldern und Tarnnetzen Hitlers Wolfschanze (Wilcza Jama) verbarg. Wie Riesenspielzeug liegen die Trümmer der von der zurückweichenden Wehrmacht gesprengten Betonbunker herum, stumme Zeugen einer nur während eines kurzen Traumes "tausendjährigen" Gigantomanie. Insgesamt waren zwischen 1940 und Ende 1944 an die 80 Objekte errichtet worden, Lokalcicerones erklären an den Ruinen die Funktion der einzelnen Bauwerke. Dabei steht der Führerbunker, heute mit Nummer 13 versehen, natürlich im Mittelpunkt des Publikumsinteresses. Aber das Attentat des 20.Juli 1944 geschah nicht dort, sondern in einer Konferenzbaracke der nahen Gästezone. Kommen auch Sie in Versuchung, sich auszumalen, wie die Weltgeschichte verlaufen wäre, wenn Claus Graf Schenk von Stauffenberg Erfolg gehabt hätte...?!
Wolfschanze
Wolfschanze
Wolfschanze
Die verständliche Sensibilität Polens gegenüber der jüngsten Vergangenheit illustriert folgender Absatz aus der in Gier³o¿ erhältlichen Beschreibung des Platzes: "Wenn wir uns auf die Besichtigungstour begeben, dann sollten wir uns dessen bewusst sein, dass in diesem herrlichen Wald die gefährlichsten Verbrecher der Menschheit, die es jemals gab, sich ihren Unterschlupf errichteten. Hier fielen Entscheidungen, die den besetzten Völkern Leid und Vernichtung brachten. Denken wir auch daran, dass noch nicht alles Geschichte geworden ist. Es gibt nämlich noch Kräfte, die die Welt in ein neues Kriegsabenteuer hineinziehen möchten. Wir Polen haben ein besonderes Recht, uns dessen zu erinnern und die Pflicht, uns solchen Aktionen entgegenzusetzen."
Mr±gowo/ Sensburg, rund 25 Kilometer südlich von Kêtrzyn, liegt inmitten kleiner Rinnenseen, die heute noch den Verlauf der eiszeitlichen Gletscher markieren. In den Naturschutzgebieten der Umgebung nisten zahlreiche Wasservögel. Das moderne Hotel Orbis-Mrongovia am Czos-See eignet sich gut als Standquartier für Ausflüge.
 
nach oben
Mr±gowo / Sensburg Fotografische Einblicke
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Miko³ajki/ Nikolaiken
Von hier wiederum 25 Kilometer weiter glänzt "Masurens Perle" Miko³ajki/ Nikolaiken. Das ehemalige (Venedig Ostpreußens" breitet sich gleich zwischen drei Seen aus: dem Jezioro Ta³tz/ Talter Gewässer, dem £uknajno-/ Luknainer-See mit einem Schwanenreservat und dem ¦niardwy-/ Spirding-See, Polens größtem, der wegen seiner Ausmaße auch "Masurisches Meer" heißt. Von Miko³ajki schippern Ausflugsboote südwärts nach Ruciane-Nida/ Rudczanny (auch: Rudschanny, später: Niedersee) inmitten der Puszsza Piska/ Johannisburger Heide und durch den Nidzkie/ Nieder-See nach Pisz/ Johannisburg. Nordwärts führt die Schifffahrtsroute zunächst an der Steinfigur des gekrönten Stinthengstes vorbei, jenem legendären Riesenfisch, der von Nikolaikens Fischern zur Strafe für seine Untaten an die Stadtbrücke gekettet wurde und weiter über Gi¿ycko/ Lötzen nach Wêgorzewo/ Angerburg. Apropos Fisch: Miko³ajki ist auch bekannt für seine Moränen, lachsähnliche Seebewohner.
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
 
nach oben
Gi¿ycko/ Lötzen gilt als Hauptort der Großmasurischen Platte. Schon die "alten Pruzzen" siedelten hier. Davon zeugt nicht zuletzt das Brunokreuz auf dem Tafelberg vor der Stadt, das von den wilden Sitten dieses Volkes vor der Christianisierung berichtet: "Dem kühnen deutschen Missionar, der als erster Vorkämpfer in Masuren mit 18 Gefährten am 09.März 1009 für Christus und Sein Reich den Märtyrertod erlitten hat, dem edlen Brun von Querfurt zu ehrendem Gedächtnis". Der Erwähnte war also ein Glaubens- und Leidensgenosse des wesentlich bekannteren Pruzzen-Missionars Adalbert, der heute in Gnesen ruht. Im 14. Jahrhundert bauten die Ordensritter auf der Landenge zwischen Mamry-/ Mauer und Niegocin-/ Löwentin-See ihre Leczenburg, von der noch ein Flügel erhalten blieb. Seine hervorragende strategische Lage bescherte dem Platz manche kriegerische Auseinandersetzung, so zuletzt 1915 und drei Jahrzehnte später. Heute begegnen einander Sportler auf den Seen zu friedlichem Wettstreit und zwar nicht nur im Sommer, sondern auch zu winterlichen Eissegel- Konkurrenzen.
Gi¿ycko/ Lötzen ein Perle in Masuren
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
Zum Vergrößern bitte anklicken
       
Zu Gast bei Tamara (Dworek u Tamary)
Einen Besuch wehrt...!!
Wêgorzewo / Angerburg
Wêgorzewo (1945-46 Wêgobork) (deutsch Angerburg), ist eine Stadt in Polen in der Woiwodschaft Ermland-Masuren mit knapp 12.000 Einwohnern. Sie ist eines der Zentren für den Tourismus in der polnischen Region Ermland-Masuren. Der Name der Stadt leitet sich von den Aalen ab, die hier früher in großer Zahl gefangen wurden (altpreußisch angurys, polnisch Wêgorz).
Puszcza Borecka / Borker Forst (Heide)
Eine ideale Ergänzung zu der Seenlandschaft sind die nahe liegenden Wälder. Nur wenige Kilometer von Gi¿ycko/ Lötzen entfernt erstreckt sich das zweitgrößte Waldgebiet Polens, die Borker Heide. Große Teile des Gebiets stehen unter Naturschutz. An das 170 qkm große Waldgebiet schließen offene Heidelandschaften an. Vier Naturreservate, eigenes Mikroklima, die reinste Luft Polens und eine große Artenvielfalt (750 verschiedene Pflanzen) machen das Gebiet zum Geheimtipp für Ruhesuchende und Naturbeobachter. Die hier frei lebenden 60 bis 70 Wisente sind die Attraktion des Urwalds. Sie leben meist in kleinen Gruppen. Ein Wisentgehege befindet sich in Wolisko/Waldsee. Neben den Wisenten, Hirschen (ca. 300), Wölfen (ca. 15) und Elchen gibt es in der Borker Heide etwa 145 verschiedene Vogelarten wie Kraniche, Schwarzstörche (ca. 10 Paare), etc. Bei Wanderungen entlang der verborgenen Gewässer und der zahlreichen Waldseen können - unter fachlicher und ortskundiger Führung - ornitologische Raritäten wie Schreiadler, Fischadler oder Haselhuhn beobachtet werden.
 
nach oben