| Marienburg: Residenz der Hochmeister |
Der weite Nordosten
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40 Kilometer nördlich von Kwidzyn liegt das
Städtchen Malbork/ Marienburg. Wer aus der Danziger Richtung kommt, erreicht
es über die Europastraßen 75 und 77, die sich beide im Weichseldelta fortsetzen.
Den besten Gesamteindruck der großartigsten backsteingotischen Profanarchitektur,
die je geschaffen wurde, vermittelt ein Blick vom Flussufer gegenüber, etwa
von der Höhe des Fußgängersteges aus: über dem flachen Ufer der Nogat bilden
(von links nach rechts) die Vorburg, das Mittelschloss mit dem an seiner
Westecke herausragenden Großmeisterpalast und die Hochburg der älteste Teil
der Anlage, ein eindrucksvolles Ensemble. Vor der Hochburg unterbricht das
wuchtige doppelttürmige Brücktor die Umfassungsmauer und ganz rechts führt
- wieder innerhalb - ein Trakt zum Dansker. Im Süden des Komplexes stehen
zwei ebenfalls aus Ziegeln errichtete Bauwerke: die etwas unproportionierte
wirkende Hallenkirche des heiligen Johannes und - ein Stückchen weiter -
das zierliche Alte Rathaus. |
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Die Marienburg ist täglich geöffnet (montags
ohne die Ausstellungsräume), zwischen dem 1. Oktober und dem 30. April
allerdings nur bis 14 Uhr. Die Kasse ist gegenüber der Ostecke untergebracht,
über eine den Burggraben überspannende hölzerne Brücke im Nordosten betritt
der Besucher die Anlage. Theoretisch muss man sich einer (polnisch- oder
fremdsprachigen) Führung anschließen, doch wer die Bauten samt ausgestellten
Kunstschätzen mit Muße betrachten und sich daher verselbstständigen möchte,
wird daran nicht gehindert. Wenn Sie die Burg eingehend besichtigen wollen,
brauchen Sie einen halben Tag. Ein Kiosk in der Nordecke des Hofs der
Mittelburg verkauft Informationsbroschüren.
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Das Mittelschloss wurde im 14. Jahrhundert
angebaut, nachdem sich durch die Verlegung des Ordenssitzes von Venedig
an die Nogat 1309 die bereits vorhandene (Hoch)burg als zu klein erwies.
1457 mussten die Kreuzritter die Festung an Polen abtreten, statt des
Hochmeisters residierte nun ein Starost, ein Provinzgouverneur, im Palast.
1772 fiel die Marienburg an Preußen, ein halbes Jahrhundert später begann
man, ganz im Geist der Romantik, das verfallende Gemäuer zu restaurieren.
Die vollständige Wiederherstellung von den Schäden des letzten Krieges
ist noch nicht abgeschlossen.
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| Wir beginnen unseren Rundgang im trapezförmigen
Hof des Mittelschlosses. Rechts liegt im ersten Stock der Große Remter (Refektorium/
Speisesaal). Drei schlanke Mittelsäulen, steingewordene Flächerpalmen, stützen
ein scheinbar schwereloses Strahlengewölbe und verleihen dem Raum trotz
seiner beachtlichen Ausmaße Grazilität. Es folgt gegen Südwesten hin die
in den Nordwesttrakt integrierte Laurentiuskapelle; da sie nicht zugänglich
ist, müssen wir uns mit einer Außenansicht des Chors begnügen, um den herum
es in den Großmeisterpalast geht. Dort warten zwei kleinere Remter auf uns,
das Sommer- und Winterrefektorium, nicht minder kühne Konstruktionen, deren
Last auf je einer Zentralsäule ruht. |
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Eine Zugbrücke leitet über ins Hochschloss,
dessen Nordostflügel den Kapitelsaal, die Marienkirche und die später
von ihr abgetrennte Annenkapelle beherbergt. Versäumen Sie bitte nicht
das Goldene Tor in der oberen Ostecke des zweistöckigen Kreuzganges und
im Erdgeschoss die beiden polychromen Portale der Annenkapelle (bei der
Chorseite des Kirchentraktes). Das nördlich zeigt in seinem mittleren
Tympanon eine Marienkrönung sowie in den seitlichen Giebelfeldern links
den Marientod und rechts eine Anbetung der Könige. Das südliche schildert
im Zentrum Ölbergszenen, links Christi Himmelfahrt und rechts das Jüngste
Gericht. Darunter stehen bei diesem Portal Heiligenfiguren.
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Die Ausstellungsräume präsentieren Waffen,
Rüstungen, schmiedeeiserne Schlösser und andere Kunsthandwerke; besonders
berühmt ist die Malborker Bernsteinsammlung. Auch die ehemaligen Schlafzimmer
im ersten Stock vom Südostflügel des Hochschlosses dienen jetzt musealen
Zwecken: im westlichen, durch fünf Mittelsäulen gestützten Dormitorium
fällt das gotische Triptychon von 1504 mit einer Marienkrönung auf. Von
diesem Raum führt ein schmaler Gang schräg weg zum Dansker, dem Abort
der Ritter; die hölzernen Kabäuschen sind (noch? Wieder?) zu sehen, aber
zugesperrt. Bevor wir die Anlage verlassen, werfen Sie bitte einen Blick
auf und in den tiefen Brunnen im Hof des Hochschlosses, der die Verteidiger
auch monatelange Belagerungen überstehen half.
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